Wohnansprüche im Wandel

Langer Gang Spitalatmosphäre
Lange Gänge erinnern an ein Krankenhaus und wirken nicht wohnlich.

Historisch gewachsen

Die Planer der heutigen Landschaft der Alters- und Pflegeheime haben sich am Modell der Krankenhäuser mit seinen grossen Erfolgen bei Diagnose und Therapie von Krankheiten orientiert. Dies war seinerzeit ein grosser Fortschritt für die Pflege und Unterbringung alter Menschen.

So erstaunt es nicht, dass wir vielfach von "Stationen", "Abteilungen" und von oft eher vom Befund als vom Befinden der Bewohner sprechen. Zu oft noch sind wir verhaftet in einem Denken, in dem rationelle Arbeitsabläufe allein den Alltag bestimmen und nicht die Menschen, die in unseren Heimen leben.

Viele herkömmliche Heime funktionieren nach dem Spitalprinzip. Die Bewohner leben nach dem Rhythmus der Einrichtung und müssen sich anpassen. Oftmals fehlen Spontaneität, der Kontakt zu jüngeren Menschen und zur Natur.

Planen, Denken und Handeln in Spitalkategorien

Kennen Sie diese Situation? Auf der "Pflegestation" fehlt ein Aufenthaltsraum, ein Wohnzimmer für die Bewohnerinnen und Bewohner. Es gibt nur Mehrbettzimmer, der private Raum ist auf ein Minimum beschränkt. Dahinter steht der Planungsgedanke, dass Menschen mit grossem Pflege- und Betreuungsbedarf kein normales Leben mehr leben können und wollen.

Diese Architektur wirkt sich auch auf die Handlungen und Abläufe aus.

Perfektionismus

Angehörige fast aller Berufsgruppen in der Heimwelt leiden unseres Erachtens häufig unter falschen Perfektionsansprüchen: Müssen alle Betten wirklich bis 10 Uhr gemacht sein? Ist es wichtig, dass die Handtücher im Schrank wie mit dem Lineal gezogen gestapelt sind? Ist es ein Gewinn an Lebensqualität, wenn das Essen 3x/Tag auf einem Tablett fixfertig serviert wird?

Sind unreflektiert angewandte Qualitätsstandards der Schlüssel zu dem, was die Bewohner sich wünschen?

Ist es das, was wir wollen?

Die Betagten wünschen sich ein möglichst normales Leben, auch wenn sie auf Hilfe angewiesen sind. Sie wollen keinen standardisiert-monotonen Tagesablauf, der nur durch die Mahlzeiten und dann und wann durch einzelne aktivierende Stunden (Aktivierungstherapie) unterbrochen wird.

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